Tour Eiffel, Monmartre, Louvre, Centre Pompidou, Galeries Lafayette, Opéra blablabla. Sehenswürdigkeiten nerven mich generell, insbesondere durch die grossen Menschenmassen.* Deshalb war es gut, dass dieser Besuch in der "Stadt der Liebe" nur halbwegs touristisch ausgerichtet wurde**. Eigentlich gar nicht. Vielmehr lebte ich (wenn auch nur für kurze Zeit) in dieser Stadt, anstatt sie zu besuchen. Zugegebenermassen, ich hatte die Schoggiseite des Lebens hier erwischt: Den ganzen Tag frei *** und somit weder Arbeit noch eine Stunde Sardine in der Metro spielen. In der Metro war ich eineindeutig von den Einheimischen zu unterscheiden: die einzige Person, welche sich nicht in gedeckten Farben kleidete, sondern eine knallrote Jacke trug. Da wir Schweizer achso integrationswillig sind, kaufte ich mir dann doch lieber eine angepasste Jacke**** (die, nebenbei bemerkt, seit 4 Jahren anzuschaffen gewesen wäre.)- und es funktionierte! Mlle Diff, la parisienne parfaite! Denn ich schlief dekorativ auf einem Stuhl in den Tuileries, da wurde ich von einem älteren Mann angesprochen, der mich für eine Pariserin hielt. Jaja, so schnell geht das. Die neue Jacke und die angeborene Arroganz reichen völlig aus. Der ebengenannte Herr erkundigte sich nach meinem Land, meinen vermeintlichen portugiesischen Vorfahren, erzählte von seiner Schweizer Ex, frug nach meinem fiancé***** und schilderte einiges aus seinem Arrondissement. Dann ging er weiter. Und ich betrachtete noch ein wenig die Enten und den Stöpsel, welcher immer beinahe in den Springbrunnen fiel (Mission Entenstreicheln nicht geglückt) und lief mit einem beglückten Grinsen der Seine entlang.
Das Grinsen wurde jedesmal ein bisschen breiter, wenn ein hier angesprochenes Klischee bestätigt wurde und schliesslich explodierte es förmlich, während Mlle Diff an der gare du Nord aufgeregt umherhüpfte, um die letzte und liebste Person für das Zweitfamilientreffen abzuholen. Achja. War das schön. Wieder mal alle beisam. Auch wenn es sich komisch anfühlte, da man sich lange nicht mehr gesehen hatte und wir aus drei verschiedenen Ländern ankamen und die Zeit etwas sehr knapp bemessen war. Gesegnet sei die französische Sprache, welche etwa dreimal so schnell ist wie Schweizerdeutsch und somit einen regen Informationsaustausch erlaubte. Der Kuchen hat den Transport übrigens unbeschadet überstanden und schmeckte sogar mehr oder weniger (Nur sollte ich das nächste Mal, wenn ich ihn aus dem Ofen nehme, nicht auf der heissen Herdplatte abstellen. Führt zu etwas zähem Boden)
Kulinarisch war Paris hervorragend- schliesslich war ich meistens diejenige, welche kochte:). Nur hatte ich in einer Art temporären Amnesie vergessen, dass Franzosen trotz ihrer generellen kulinarischen Klasse leider, leider UHT-Milch für wunderbar halten. Und ein Klischee gönnte ich mir, so kaufte ich allabendlich beim Nachhausekommen eine noch ofenfrische, warme Baguette beim Bäcker nebenan. Aber ehrlich, wer könnte da schon wiederstehen? (Nugut, so ganz parisienne bin ich noch nicht, denn noch schaffe ich es nicht, dass beim Code-eingeben-schweresToraufstossen-Türaufschliessen die Baguette unterm Arm heil bleibt)
Mein Gastrecht genoss ich im 12ème, in einem "typischen" Pariser Appartement, in welches ich mich sogleich verliebte. Ein bisschen sehr klein, im engen Treppenhaus die Holzstufen durchgehangen, die Küche winzig aber irgendwie zweckmässig, die kunstvollen Gitter vor den hohen Fenstern, alles ist sehr "ringhörig", ein kleiner, grüner Innenhof, von den dicksten Tauben ever bevölkert. Eigentlich viel zu eng das Ganze und doch mochte ich es enorm.
Paris war schön aber anstrengend, manchmal mühsam und manchmal liebenswert.
PS:
Dieses Museum ist am ersten Sonntag des Monats gratis und es empfiehlt sich, pünktlich zu sein, da man sonst gerne ein Weilchen Schlange steht. (Weiterhin empfiehlt es sich, die Nacht zuvor genug geschlafen zu haben, da man ansonsten dank der spärlichen Beleuchtung gerne in den Halbschlaf abdriftet. Und viele verliebte, aneinanderklebende Pärchen sollte man auch aushalten können)
*Ja, ich bin nicht unbedingt ein sehr positiv eingestellter Zeitgenosse momentan.
** "Stadt der Liebe" dans ton cul!Wer hat dieses Klischee eigentlich gestreut? Nan, sérieusement, aber besonders liebevoll finde ich jetzt die Bevölkerung nicht unbedingt. Und Prachtbauten mögen ästhetisch und beeindruckend sein, aber romantische Gefühle wecken sie in mir auch nicht
***Vorlesungsfreie Zeit als Ferien genutzt.
**** Modischer Sidekick: Dans les rues de Paris fielen mir zwei Sachen auf: a) Menschen, die extrem pariserisch aussehen, sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Amerikaner. b) glaubte ich mich streckenweise in einem Film über die 60er Jahre. Very retro, tout ça.
***** Bei solchen Fragen tritt (insbesondere wenn man gerade mal 5 Minuten geplaudert hat), unabhängig von meinem aktuellen Zivilstand, sofort Emreck auf, mein Verlobter aus der Bretagne. Il est beau, jeune et Breton, il sent la pluie, l'océan et les crêpes au citron.(mitsingen?)
11.9.08
Paris, je t'aime moi non plus
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