26.12.10

Heilig Abend 2010 - le menu

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Boeuf Bourguignon mit gepimptem Härdöpfelstock
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Jakobsmuscheln mit Äpfeln

Die Gästeschar verlangte erneut nach Jakobsmuscheln, doch der Köchin ward eine simple Repetition des letztjährigen Rezepts zu fad und nach gründlichem Studium meiner Jakobsmuschelnreferenz ward dies Rezept erkoren, unsere Gaumen weihnachtlich zu umschmeicheln. Dass das Resultat nur in der Kategorie "gut" und nicht "herausragend" fungiert, mag daran liegen, dass das Rezept sich besser liest, als es ist. Oder, eventuell, dass die Köchin noch Übung braucht. Oder, dass sie in einem Anfall übersetzerischer Umnachtung Kohlräbli statt normale Räben bestellte.
Item, für interessierte Leser sei hier die deutsche (sehr freie) Transkription von Vanilles Rezept gegeben:


Jakobsmuscheln an Äpfeln
Vorspeise für 4 Personen

2-3 Jakobsmuscheln/personne
2 säuerliche Äpfel (zB Granny Smith)
1/2 Zitrone, Saft
1 EL Honig
200 g Rahm
30 g Wermut (zB Noilly-Prat)

1 Räbe

Butter
Olivenöl

1. Man suche sich jegliche in der Küche vorhandenen Siebe zusammen.
2. Muscheln putzen, Noix und Rogen behalten, zur Seite stellen.
3. Äpfel schälen, entkernen und in sehr feine Stücke schneiden. Mit dem Zitronensaft mischen.
4. Räbe schälen, klein schneiden und in einem Topf siedendem Wasser 6-8 Minuten kochen. Kaltabschrecken. Abtropfen lassen.
5. Derweil 1 EL Honig in einer Bratpfanne aufschäumen, 1 EL Butter dazugeben und danach die Äpfel darin garen. Wermut und Rahm dazugiessen. Vom Feuer nehmen, pürieren. Durch ein Sieb streichen. Pfeffern. Zur Seite stellen.
6. 1 EL Butter in einer weiteren Bratpfanne aufschäumen. Räben ca 5-7 (eher 7) Minuten anbraten. Salzen. Zur Seite stellen.
Falls Rogen vorhanden
7a: Rogen in kleine Würfel schneiden, in einer Pfanne Olivenöl erhitzen und die Rogenwürfel unter ständigem Rühren 5 Minuten braten. An den Pfannenrand schieben.
7b: Das Muskelfleisch von beiden Seiten jeweils ca. 1.5 Minuten garen (eher mehr, kann aber auch sein, dass meine noch nicht ganz aufgetaut waren.) Salzen. Empfehle dringend, grobkörniges Salz zu verwenden. Weil halt
.

Anrichten: Einen grosszügigen Löffel Apfelsauce auf die Teller geben, auf diesem Spiegel mehr oder minder dekorativ die Räben und die Muscheln verteilen.

24.12.10

Dingens

Joyeux Noël und so, nech. Kuscheln nicht vergessen.


15.12.10

Blogwichtel 2010

Zu Gast also

Chez Demoiselle Différentielle

was mich gleich darauf vorbereitete, mein in die rostigen Jahre gekommenes Schulfranzösisch wieder aufzubessern. Was an sich schon ein sehr anspruchsvolles Unterfangen ist, aber der Traum eines jeden Küchendilettanten wartete offenbar auf mich: ein Blog, das sich unter anderem und in der Folge vor allem mit kulinarischen Ereignissen befasst. Mit denen ich mich sehr gerne befasse, allerdings eher destruktiv in Form des Essens als kreativ in Form des Kochens. Darüberhinaus finden sich klassische Webtagebucheinträge, politsche Beiträge - von allem etwas. Schlußendlich kam ich zur Überzeugung, dass Mademoiselle der französischen Schweiz entstammt. Indizienbeweise. Es könnte natürlich sein, dass sie nur eine frankophil-affine Schweizerin ist. Oder gar keine Schweizerin. Also bleibt Mademoiselle ein Geheimnis. Wie gewünscht. Aber doch, sie ist Schweizerin, ich lege mich fest.

Wie also kann man einer eventuell Schweizer politisch-interessierten Gourmetliebhaberin eine Freude machen durch ein Blogwichtel?

Ich habe darauf verzichtet, etwas zu backen oder zu kochen und dann per Express-Sendung nicht verschicken zu können. Mademoiselle wird es mir verzeihen, es ist zu ihrem eigenen Besten, denn ich fühlte mich spontan inspiriert zum Versuch, einen Rekord einzustellen. Seit 1994 hält nämlich eine Gruppe aus der Schweiz den Größenweltrekord im Rösti backen. Die Thuner Wirtschaftskammer der Jungen in Zusammenarbeit mit Behinderten buk den Rekordrösti. Er wog 1130 kg, hat einen Durchmesser von 3,5 Metern und hat einen Flächeninhalt von 9,62 m². Wollte dann aber Mademoiselle doch nicht mit einer derartigen Lieferung belasten, hatte aber wieder was gelernt, denn zum Kochen habe ich eine ähnliche Beziehung wie dieser von mir sehr geschätzte Herr würde aber als Ausgleich ein Rezept für Coq au Vin beifügen, als kleine Entschuldigung fürs Entgleisen in alterwürdige Puppencomedy.

Dann las ich, dass Mademoiselle nicht weiß, was ein Limerick ist und wegen Faulheit terminlicher Schwierigkeiten auch nicht zum Googlen kam. Mit Freude kann ich hier jetzt ein Beispiel präsentieren und zwar sogar von einem Schweizer Kabarettisten, dem Herrn César Keiser - leider 2007 verstorben.

Da gab's den Herrn Stöckli aus Stocken,
der wusch sich die Füsse samt Socken.
Der Siegrist von Meggen,
tat darob erschrecken,
und läutete sämtliche Glocken.

Mademoiselle, ich gehe davon aus, dass die Regeln des Limericks bei Ansicht desselben selbsterklärend sind und hoffe, Ihnen damit weitergeholfen zu haben.

Eine kleine Aufmerksamkeit hätte ich noch für Mademoiselle, die erst diesen September youtube entdeckt zu haben scheint und eine Vorliebe für Videos von Tierbabies hat. Nun ja, ob er ein Baby ist, weiß ich nicht, aber allerliebst ist er auf jeden Fall. Bitte schalten Sie den Ton ein.

Ich stelle gerade sans amusement fest, dass ich während der Lektüre von Mademoiselles Blog anscheinend zugenommen habe. Ich kann mir nicht erklären, woran das liegt. Dass sich Kalorien bilden, während man ein Rezept nach dem anderen liest, glaube ich jedenfalls nicht. Und das, wo Mademoiselle selbst noch am 14. Juni diesen Jahres behauptet hatte
Ich kokettiere gerne damit, dass ich in den vier Jahren, die es diesen Blog gibt, aus der Foodieszene langsam entschwunden bin. Tja.
Hören Sie auf damit, denn wenn Sie das "aus der Foodieszene entschwunden" nennen, habe ich noch nie etwas gegessen und mache Werbung für "Obsession" :)

Mademoiselle, es war mir eine Freude, durch Ihr interessantes Blog zu lesen und ich ich hoffe, dass Ihnen mein Beitrag ein bisschen gefällt. Wenn nicht, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie wenigstens ein bißchen so tun könnten als ob. Sie müssen ja nicht ins Detail gehen, aber sowas wie das hier würde ja reichen. :-)

Vorweihnachtliche Grüße sendet Ihr Blogwichtel

Sie lasen: Wichtelbeitrag 2010 für dieses bescheidene Blogheim, organisiert dankenswerterweise von der lieben Creezy. Lieber Wichtel, herzlichen Dank! Sehr amüsant! Natürlich rätsel ich jetzt schön vor mich hin. Eingeschränkt habe ich die Herkunft auf Deutschland, aufgrund sprachlicher Marker. Natürlich darf mein österreichisches Blogwichtelchen jetzt kichern, wenn es denn ein solches ist. Geschlechtsmässig bin ich noch unentschlossen, tendiere jedoch ob der Linkschleuderei zum Mann. Ansonsten, grosse weite Leere :). (Ich würde mich ja nie getrauen, Ihren Beitrag zu kritisieren. Dafür ist mein eigener viel zu äh ja, suboptimal geraten. Vielleicht doch etwas Kleines: es heisst DIE Rösti. Weiblich. Wenn schon mit Artikel, dann weiblich! Ansonsten habe ich mir erlaubt, ein, zwei offensichtliche Rechtschreibefehler zu korrigieren, ich hoffe, Sie verzeihen mir!)

11.12.10

Ce qui reste

Die italienische Küche scheint auf zwei Postulaten aufzubauen:
1) alles so klein schneiden, wie nur geht. (und gleichmässig!!! Wie mir Andrea mit erhobenem Zeigefinger wiederholt eindringlich sagt)
2) alles laaaaaaaaange kochen. Eine Bolognese (ragù) kommt nicht unter sechs Stunden davon und auch die Béchamelsauce muss mindestens zwei Stunden lang köcheln. (Impertinentes Infragestellen von blasphemischen Schweizerlein wird grundsätzlich ignoriert).
Achso, ich vergass noch das wichtigste aller Postulate
0) Es wird gemacht, was Andrea sagt, denn er hat immer, IMMER recht. (Sehen wir mal grosszügig darüber hinweg, dass seine (stundenlang gekochte) Polenta eher einer Maissuppe als einer Polenta ähnelte.) Und das Différentiellchen hat die Klappe zu halten und ansonsten die Befehle des Küchenchefs wortgetreu auszuführen, es sei denn, es möchte ihn beleidigen. Auch Belehrungen sind ohne Wimpernzucken über sich ergehen zu lassen, gerade wenn sie sich gegen "Schweizer, Franzosen und andere Barbaren" richten - auch wenn das Différentiellchen eigentlich (ausnahmsweise) derselben Meinung wie Andrea wäre. Da er das Trentino als seine Heimat schimpft, sieht er sich auch bemüssigt, das Différentiellchen bei ihrem Deutsch zu helfen: "Knödel" wird nicht akzeptiert, das heisse "canederli" und damit basta. Dass Andrea mit der Ausnahme von "Speck" und dem allgegenwärtigen "Scheisse"* kein einziges Wort der Sprache Goethe beherrscht, vernachlässigen wir mal.
Aber egal, das Différentiellchen schweigt und schnippelt. Und es lernt, was ein Primo und ein Secondo ist. Merkt, dass "Pizza" in Italien nicht dasselbe wie in der Schweiz ist. Auch wenn italienische Italiener eine italienische Ristorante in der Schweiz führen, so ähneln die dort servierten Pizze nur annäherungsweise dem, was sie unter der Anleitung von Andrea produziert. Dünn gewallter Hefeteig, das ja. Tomatensauce, ja, manchmal (Ich muss mir dringend einen Mixer anschaffen.) Aber auch mit Zwiebeln und dünnen Tomatenscheiben belegte Fladen werden als Pizza geführt. (Mein Weltbild bröselt so langsam in sich zusammen.) Der Mozzarella muss jedoch fein geschnitten werden (seufz) und erst nach dem Backen langsam auf der ofenheissen Pizza zergehen.
Laura kommt vorbei und bringt getrocknete Fischeier (oder was auch immer das war, genau hab ich es nicht verstanden), die dann mit viel Olivenöl und Knoblauch die Sauce für Spaghetti nach Sardinischer Art ergeben. (Und den Diskussionen zu Tisch war zu entnehmen, dass ich froh sein musste, dass auch Laura die grosse Spezialität der Region nicht mitgenommen hat: Käse mit lebenden Würmern.)
Ich kriege einen Crashkurs in italienischer Kulinarik, merke, dass man verdammt aufpassen muss mit jeglicher Kritik, da das gleich als Beleidigung der Kultur interpretiert wird und lerne, dass die Küche mindestens so vielfältig und separiert ist wie die Dialektlandschaft.
Zu Allerheiligen gibt es die Knochen der Verstorbenen mit viel Nelkenpulver und als die grosse Kälte ausbricht, entwickeln sich Risottos zum Hit.
Doch irgendwann reicht es mir, die Belehrungen und Korrekturen werden zu viel, ich koche mich einmal quer durch der Vorratsschrank und kippe die Sauce an die Pasta, von der ICH finde, dass sie dazu passt.
Andrea lobt die Sauce sehr und fragt nicht nur interessiert nach den Zutaten, sondern auch, wie lange ich das alles habe köcheln lassen.
"Lang genug" sage ich-
und meine:
zwanzig Minuten.






*Egal, aus welchem Land die Leute kommen und welche Sprachen sie sprechen - sobald man sich als Deutsch-Muttersprachler offenbart, wird man mit obgenanntem Wort konfrontiert.

Falls mein Blogwichtel auch so inspiriert is wie ich:
Schöne Fressfotos geht immer.
(Die Leser würden es Ihnen auch danken.)