17.2.11

Versailles

Hmpf.
OK, ok, mit Guillaume Depardieu, das ist ja schon mal was. Besser gesagt, wäre, denn der Herr bekleckert sich zumindest in diesem Film nicht gerade mit schauspielerischem Ruhm.
Der Film hat mich nicht sehr berührt. Obwohl so rein plot-technisch doch Potential da gewesen wäre.
Nur: Etwas hat mich gestört.
Es war alles nicht sehr, nun ja, authentisch. Die Leute, die eigentlich jahrelang auf der Strasse gelebt haben, sehen aus, wie das, was sie eigentlich sind: Auf verarmt und verhärmt gemachte, wohlgenährte Schauspieler. Glaubwürdigkeit ist kaum zu finden. Zu offensichtlich, dass die Augenringe aus der Schminktube stammen. Auch der Umgang untereinander erschien mir oft, nun ja, zu höflich. Es fehlt mir eine gewisse latente Agression, die das ganze authentisch gemacht hätte. So sprechen und benehmen sich die Leute nicht. Jeden Tag komme ich auf dem Arbeitsweg durch eine solche Siedlung, wo sich die Leute Hütten notdürftig zusammengezimmert haben. Ja, die Hütten, die sehen genau aus wie im Film Slum à l'européenne. Das stimmt schon. Aber nicht die Leute, die benehmen sich anders.
Dabei werden im Film durchaus wichtige Sachen angesprochen: Dass Supermärkte ihre Nahrungsmittelabfälle extra mit giftigen Substanzen überschütten, damit auch ja niemand noch davon essen könnte. Oder, wie kann man ohne Formulare beweisen, dass man existiert. Das ist wichtig, das sollte auch aufrütteln-
aber leider streift der Film das nur und verkommt zu einer unbegreiflichen Stilisierung des Obdachlosen, der als moderner edler Wilder skizziert wird. Denn Obdachlose dürfen in Filmen anscheinend nicht einfach das sein, was sie sind, sondern müssen immer noch einen übersteigert edelmütigen Charakterzug aufweisen.
Und über den abscheulich kitschigen Epilog brauchen wir gar nicht zu sprechen.

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